|
| |
Gelcoat /
Topcoat
Reparatur Anleitung
Reparaturen
selbst gemacht
Kleine Reparaturen an Deck oder Rumpf können mit etwas Geschicklichkeit und
Ausdauer auch selbst bewerkstelligt werden. Das Boot aus Kunststoff sollte im
Idealfall nicht Lackiert sein, sonst wird eventuell aus einem kleinen Loch ein
noch größerer unansehnlicher Schaden.
Die Schadstelle
Spachtelmasse, Epoxi oder dauerelastische Fugenmasse verhindern das Eindringen
von Feuchtigkeit an einer Schadstelle, sind aber aus optischen Erwägungen heraus
eher als schnelle und provisorische Lösung zu betrachten. Eine Reparatur mit
Gelcoat erfordert aber etwas Planung, Know-how und entsprechendes Werkzeug.
Der Hobby-Verarbeiter, und übrigens auch der Profi, steht dann vor zwei
Problemen: Eines davon ist die Oberflächenstruktur. Ist die Schadstelle eine
glatte Fläche, muss die Reparatur später wieder glatt und glänzend sein. Ist sie
aber auf einem rutschhemmenden Deck, ist mehr Vorarbeit notwendig. Sich
wiederholende und gleichmäßige Strukturen, wie beispielsweise Rauten oder
Quadrate, kann man noch ganz gut abformen, bei den beliebten Lederimitaten oder
ungleichmäßigen Walzenstrukturen geht das nicht so einfach.
Silikonformen
sind selbsttrennend
Eine Methode ist das Abformen mit Silikon. Allerdings ist die Fugenmasse aus der
Sanitärabteilung dafür nicht geeignet. Hier wird ein spezielles
Zwei-Komponenten- Material verwendet, das über die Decksstruktur gegossen wird
und diese detailgenau abformt. Nach dem Härten kann die Silikonschicht
abgenommen werden und als Negativ für die Reparaturstelle dienen. Diese
elastische Abformmasse ist sowohl bei der Herstellung des Negativs selbst, wie
auch nachher bei der Gelcoat-Reparatur selbsttrennend. Auch lässt sich diese
Silikonform ohne weiteres über Rundungen legen. Bei gleichmäßiger
Oberflächenstruktur fügt sich dieses Negativ passend um die Schadstelle ein, so
dass, im Idealfall, später kein Übergang mehr zu sehen ist.
Eine andere Möglichkeit besteht, aus transparentem Polyester eine Form zu bauen.
Hierzu wird eine ähnliche intakte Stelle mit Trennwachs behandelt und
anschließend mit Polyester größer als die Reparaturstelle bestrichen. Eine Holz-
oder besser noch Plexiglasplatte angerauht wird auf das Polyesterharz gelegt.
Fixieren, wirklich Aushärten lassen und dann vorsichtig abhebeln, und schon ist
das Negativ fertig. Um das Gelcoat dann später zu formen, muss das Negativ
wieder mit Trennwachs behandelt werden.
Ältere Boote
vorher polieren
Das zweite Problem ist der richtige Farbton. Die Reparaturpacks, die im
Zubehörhandel angeboten werden, passen selten genau zur Umgebung. Auch ist weiß
nicht gleich weiß. Der Gelcoat verändert nämlich im Lauf der Zeit seine Farbe.
Manche Produkte bekommen einen Gelbstich, andere werden grau. Das heißt, dass
das Material, zumindest bei einem älteren Boot, abgetönt werden muss. Hier ist
allerdings Vorsicht angesagt. Nach der Reparatur wird die Schadstelle
geschliffen und poliert. Dabei wird eine dünne Schicht des Gelcoats abgetragen,
so dass der ursprüngliche Farbton wieder an der Oberfläche erscheint. Das gibt
einen hässlichen Fleck. Bei einem älteren Boot hat es sich bewährt, wenn vor dem
Abtönen der Reparaturmasse die oxidierte Oberfläche poliert wird.
Dafür verwendet man Schleifpasten. Das sind schmirgelnde Dispersionen, die von
den Pflegemittelherstellern in verschiedenen Körnungen angeboten werden. So
genannte „All-in-One“-Produkte eignen sich dafür nicht, da diese Zusätze
Oberflächenversiegelung enthalten. Das können Wachse, Teflonpartikel oder auch
Silikone sein. Auf alle Fälle können diese Substanzen zu Haftungsproblemen bei
der Reparatur führen.
Abtönpasten und
Pigmente
Das Mischen eines Farbtons erfordert einige Übung und Erfahrung. Man sollte sich
da keine Illusionen machen. Die Farbe ganz exakt zu treffen ist eher Zufall.
Auch ein professioneller Lackierer kämpft dabei mit vielen Unwägbarkeiten.
Künstliches Licht setzt sich anders zusammen als Tageslicht. Spezielle Lampen
sind zu teuer. Deshalb kann das beste Ergebnis bei Tageslicht erzielt werden.
Wenn der Farbton in der Schale einigermaßen passend aussieht, sollte ein Tropfen
der Paste auf das Boot, in unmittelbarer Nähe der Reparaturstelle aufgebracht
werden. Diesen kann man später mit Aceton wieder abgewischen.
Es hat sich bewährt, beim Betrachten die Augen leicht zu schließen, so dass die
Konturen verschwimmen. Verschiedene Abtöntropfen helfen den am besten
getroffenen Farbton zu wählen. Diese Gelcoattabtönungen erreicht man mit den
Abtönfarben Rot, Blau, Gelb, Braun, Okker und Schwarz. Die intensive Abtönpaste
oder die Pigmente sollten nie direkt in die große Grundmenge der Schale oder gar
in den Originaltopf gegeben werden. Oft ist es zuviel und dann ist der Ansatz
verdorben. Besser ist es eine Teilmenge mit der Abtönung zu versehen und dann
einen Teil der Teilmenge mit dem frischen Grundton zu vermischen.
Das trifft insbesondere bei weißen Gelcoat zu. Es ist selbstverständlich, dass
bei solch kleinen Mengen von hoch konzentrierten Pigmenten gründllich gemischt
werden muss.
Wurde doch zu viel Pigment eingerührt, teilt man die zu kräftig abgetönte
Grundmenge und tönt mit dem Gemisch den frischen weißen Gelcoat ab.
Manche Farben lassen sich überhaupt nicht oder nur sehr schwer herstellen. Dann
wird die Schadstelle verspachtelt und punktuell lackiert.
Standardisierte
RAL-Farben
Die am meisten verkauften Reparatursets in Deutschland sind RAL-Töne. Diese sind
fest definiert und halten was sie versprechen. Aber auch Gelcoat
Reparaturschachtel von Jotun sind hier erhältlich und sind mit dem
Skandinavischen Farbcode versehen. (siehe oben)
Zu dem Gelcoat muss nach dem Einstellen des Farbtons der Härter zugegeben
werden. Dieser besteht meist aus zwei bis drei Prozent MEKP (Methyl-Ethylketon-Peroxid).
Das Mischungsverhältnis darf nicht zu sehr von den Herstellervorgaben abweichen,
weil sonst die mechanischen Eigenschaften des ausgehärteten Produkts nicht
optimal sind. Die Umgebungstemperatur ist entscheidend wie schnell das Gelcoat
geliert und anschließend aushärtet.
Riecht der Härter nach Essig ist er verdorben und darf nicht mehr benutzt
werden; ist der Gelcoat zäh oder hart und schon bröckelig oder riecht nach
Marzipan, ist dieser ebensfalls verdorben. Ein kurzer Test ist am sichersten, ob
Harz und Härter noch zusammen arbeiten. Besser ein Test als die Schadstelle
später wieder säubern zu müssen.
Vorbereiten der
Schadstellen
Die Praxis der Reparatur sieht so aus, dass zuerst die Schadstelle mit oder
Aceton gereinigt und von Politurresten befreit wird. Wurde das Boot in der
Vergangenheit mit Autowachs behandelt, kann man eventuelle Silikonreste mit
einem speziellen Silikonentferner beseitigen, den man sich ebenfalls im
Farbenhandel besorgt. Dann werden die Kanten flach auslaufend angeschliffen. Wie
das in der Praxis aussieht, ist von Fall zu Fall anders. Von Hand geht’s immer,
ansonsten leistet ein Dreieckschleifer oder Drehmel gute Dienste. Die Körnung
sollte etwa P240 sein.
Ein Schraubenloch kann man auch mit einem Kegelsenker vorbereiten. Vor dem
Gelcoat-Auftrag noch einmal mit Aceton reinigen, um sicher zu gehen, dass
wirklich keine Verschmutzungen mehr vorhanden sind.
Es ist dringend zu empfehlen, dass die Umgebung der Reparaturstelle abgeklebt
wird. Dadurch erleichtert man sich die Nacharbeiten. Hierfür eignet sich dünnes
Paketband oder Kantenband aus dem Autodedarf.
Nachdem die Schraubenlöcher von unten mit Klebeband verschlossen wurden, damit
der Gelcoat nicht abläuft, wird dieser aufgetragen. Der Gelcoat muss etwas über
die Umgebung erhaben sein, da Polyester beim Härten schrumpft. Eine
Kunststofffolie, die mit Klebeband über den flüssigen Gelcoat gespannt wird oder
aber auch Tesafilm, verhindert das Ablaufen an nicht waagerechten Flächen. Durch
diesen Trick kann in begrenztem Umfang sogar modelliert werden. Darüber hinaus
härten manche Gelcoats nur unter Luftabschluss an der Oberfläche klebfrei aus.
Setzt man dem Gelcoat 5% Rarafin zu, erreicht man das gleiche. Das
Zusammengerührte nennt man dann auch Topcoat.
Nach dem Aushärten sieht das Werk noch ziemlich unansehnlich aus.
Vorsicht beim
Schleifen
Zuerst kann mit grobem 240er-Schleifpapier und einem Schleifklotz die Stelle
eben geschliffen werden. Für eng begrenzte Schleifarbeiten bietet der Handel
einen so genannten Schleifpilz an. Es hat sich bewährt, wenn das Klebeband um
die Reparaturstelle noch an seinem Platz bleibt. Dadurch wird die Umgebung
geschützt. Ist der neue Gelcoat etwa bis auf Klebebandstärke heruntergeschliffen,
wird mit 320er-Nassschleifpapier weitergearbeitet. Bei planen Flächen kann der
Schleifklotz weiter verwendet werden. Rundungen werden mit einer flexiblen
Schleifunterlage bearbeitet. Dafür kann man sehr gut die Reste von
Hartschaumplatten verwenden, wie sie als Kernmaterial oder auf dem Bau als
Isoliermaterial verwendet werden.
Beim Schleifen muss sehr vorsichtig gearbeitet werden. Der Gelcoat ist in neuem
Zustand nur ungefähr ein Millimeter dick.
Wenn mit dem Finger fast keine Erhebungen mehr zu fühlen sind, wird der Rest mit
Körnung 600 nass egalisiert. Schleifpapier der Körnung 1200 dient dazu, die
Schleifriefen zu beseitigen und die Fläche zum Polieren vorzubereiten.
Jetzt kommt wieder die Polierpaste zum Einsatz, mit der vor der Reparatur die
oxidierte Gelcoat-Schicht entfernt wurde. Gute Dienste leistet der
Dreieckschleifer, sofern das Gerät mit einer Filzplatte ausgerüstet werden kann.
Anschließend wird die Oberfläche mit Wachs oder anderen Substanzen versiegelt.
Eine solche Reparatur ist nicht sonderlich schwierig. Handwerklich begabte
Personen sollten das schaffen. Allerdings ist im Sommer dafür meist keine Zeit,
da man das Boot nicht nur zum Reparieren verwenden will. Im Winter steht es
jedoch unter einem kalten, zugigen Planenzelt. Hier kann man sich mit einfachen
Halogenstrahlern behelfen, wie man sie für ein paar Mark im Baumarkt bekommt.
Diese 500-Watt-Röhren liefern nicht nur gewaltig Licht, sondern auch eine enorme
Strahlungswärme, die für punktuelle Reparaturen durchaus zu nutzen ist. Diese
Strahler werden allerdings so heiß, dass sie auch eine Oberfläche zerstören
können.
| |
|