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Seeräuberei in neuer Blüte: Piraten kapern wieder Schiffe

HAMBURG. Ein schon längst ausgestorben geglaubter Verbrechenszweig erlebt zur Zeit eine neue Blüte: die Schiffspiraterie. Allein im ersten Halbjahr 2000 wurden 160 Fälle von Seeräuberei registriert. Ein deutscher Sicherheitsexperte offeriert jetzt Antipiraterie-Kurse für Kapitäne.
Vor Angolas Hauptstadt Luanda dümpelt die "Pacific Challenger" im Hafen. Mit Schwertern, Haumessern und Eisenstangen entern neun Piraten das Schiff und gehen auf die Besatzung los. Die Seeleute werden gefesselt und verprügelt, ehe die Piraten mit Frachtgut und Ausrüstungsteilen das Weite suchen. Trotz eines Notrufes hatten die Hafenbehörden nicht reagiert. Auch die Überfälle auf hoher See nehmen zu.
Deshalb wird es immer notwendiger, die Frachter mit ihren Millionenwerten wie die Geldtransporter auf unseren Straßen zu schützen, sagt Michael Leibfritz, der 32-jährige Geschäftsführer des Sicherheitsunternehmens "STAFF Security Consulting", das sich auf den Schutz von Schiffen spezalisiert hat.
Allein im letzten Jahr hat es weltweit 285 Piratenangriffe gegeben. Der dabei entstandene Schaden wird mit 18 Milliarden Schilling (1,308 Milliarden Euro) beziffert. Dabei handelt es sich aber nur um die von Reedern gemeldeten Überfälle. Oft würden Piraterieakte nämlich verschwiegen, um teuere Liegezeiten während möglicher Ermittlungsverfahren zu vermeiden. Bei den Gewalttaten des vergangenen Jahres kam es zu mehr als 400 Geiselnahmen, außerdem wurden 3 Personen getötet und Dutzende verletzt - zwei Menschen sind vermisst.


43 Kilo Marihuana am Schiffsrumpf
Drogenschiff kam aus Jamaika - weitere Rauschgiftfunde
Donnerstag, 14.09. 2000, 06:15:37 Uhr
Fahnder von Polizei und Zoll konnten in den vergangenen zwei Tagen gleich vier Erfolge im Kampf gegen die Rauschgiftkriminalität verzeichnen. Am Mittwochvormittag haben Zoll und Polizei in einer gemeinsamen Aktion im Kaiser-Wilhelm-Hafen 43 Kilogramm Marihuana im Wert von etwa 120 000 Mark sichergestellt. Das Rauschgift war in einer Metallkiste, die unter der Wasserlinie am Rumpf des Containerschiffes "Maipo" (31 248 BRT) angeschraubt worden war. Polizeitaucher tasteten sich im trüben Hafenwasser am Schiffsrumpf entlang, stießen dabei auf den Behälter und montierten ihn ab. "Nach den bisherigen Ermittlungen ist die Kiste in Kingston/Jamaika an dem Schiff angebracht worden", sagt Zollsprecher Michael Kramer.Die von Ecuador über Kingston, Bilbao und Rotterdam nach Hamburg gekommene "Maipo" habe ohnehin für eine Routinekontrolle auf der Liste gestanden, der entscheidende Hinweis sei jedoch von der niederländischen Wasserschutzpolizei gekommen. Kramer: "Die Rotterdamer Kollegen hatten an Bord bereits 20 Kilo Kokain gefunden". Die Hintermänner des Drogenschmuggels werden zurzeit ermittelt.
   Am Dienstag haben Zivilfahnder der Polizei und des Landeskriminalamtes (LKA) einen aus Sierra Leone stammenden sowie zwei türkische Drogendealer festgenommen. Der "dickste Fisch" ging den LKA-Fahndern am Mittag in St. Georg ins Netz: Auf dem Steintorplatz nahmen sie den angeblich 16 Jahre alten Lamarana B. fest. Der abgelehnte Asylbewerber aus Sierra Leone gilt als einer der sechs aktivsten Dealer in Hamburg - zwölf Verfahren wegen Drogenhandels sind seit Januar 2000 gegen ihn eingeleitet worden. In seiner Unterkunft auf dem Wohnschiff "Bibby Altona" fanden die Beamten insgesamt 147 Kokainkügelchen. Am Nachmittag dann der nächste Erfolg: Zivilfahnder schnappten Fevcan T. (20) aus dem türkischen Elazig an der S-Bahnstation Klein Flottbek - sie hatten ihn zuvor im Botanischen Garten bei der Kontaktaufnahme zu Drogenabhängigen beobachtet. Die Polizisten stellten 50 Gramm Heroin, ein Springmesser und 350 Mark Drogengeld bei dem Mann sicher. Er wurde dem Haftrichter vorgeführt.
   Am Abend nahmen LKA-Fahnder an der Walddörferstraße (Wandsbek) den aus Bingöl stammenden Yadin A. (28) fest; er hatte 20 Gramm Heroin bei sich. Die Durchsuchung einer von A. in Barmbek unterhaltenen Wohnung und des Kellers förderte weitere 405 Gramm Heroin und 650 Gramm Streckmittel zu Tage


Gemeinsame Ermittlungsgruppe Hafen klärt Serie von Sportbootdiebstählen
Donnerstag, 29.06. 2000, 06:06:16 Uhr
Lübeck - Eine Serie von Sportboot- und Kraftfahrzeugdiebstählen mit überregionalen und internationalen Bezügen klärte die seit dem 01.01.1998 bestehende Gemeinsame Ermittlungsgruppe Hafen - GEH - nach umfangreichen Ermittlungen auf.
Die GEH ist eine dem Kommissariat 13 der Kriminalpolizeistelle Lübeck zugeordnete Ermittlungsgruppe, in der Beamte der Kriminalpolizei, der Schutzpolizei, der Wasserschutzpolizei sowie des Bundesgrenzschutzes bei der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kraftfahrzeugdiebstähle zusammenarbeiten.
Im ersten Halbjahr 2000 kam es in Lübeck zu einer Häufung von Kraftfahrzeug- und Sportbootdiebstählen.
Aus dem Lagebild ergab sich die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es Verbindungen zwischen den einzelnen Taten gab. Einen konkreten Ermittlungsansatz ergab die Videoaufnahme dreier Männer, die am 19.04.00 versucht hatten, einen Mercedes SL 280 aus der Tiefgarage eines Travemünder Hotels zu stehlen. Intensive und langwierige Ermittlungen führten schließlich am 20.06.00 zur zeitgleichen Durchsuchung von 10 Wohnungen, Hallen und Werkstätten in Rostock, Altenhagen, Satow, Heiligendamm, Kühlungsborn, Elmenhorst, Kägsdorf und Rerik. An diesem Durchsuchungen waren neben den Beamten der GEH auch Kräfte des Spezialeinsatzkommandos Mecklenburg Vorpommern sowie der Rostocker und Bad Doberaner Polizei beteiligt. Dabei wurden vier Beschuldigte festgenommen.
Es handelte sich um drei 24, 22 und 30 Jahre alte Rostocker, die sich seitdem aufgrund eines Haftbefehls des Amtsgerichts Lübeck in Untersuchungshaft befinden.
Ein 23 Jahre alter Mitbeschuldigter wurde nach seiner Vernehmung entlassen.
Bei den Durchsuchungen stellten die Beamtinnen und Beamten neben 50.000,- Mark Bargeld auch drei PKW -VW Passat, Mitsubishi Pickup,VW Bus-, zwei Kräder, zwei Sportboote sowie drei Jetski im Gesamtwert von ca. 200.000,- Mark sicher.
Im Verlauf von Folgeermittlungen wurden am Freitag, 23.06.00, drei in Lübeck gestohlene Sportboote im Gesamtwert von 200.000,- Mark in Slochterzen, Niederlande, sichergestellt. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, sechs Boots- und vier Jetskidiebstähle sowie 18 Diebstähle von Kraftfahrzeugen, z.B. BMW, DB, VW, im Gesamtwert von ca. 1.000.000,- Mark im Jahr 2000 in Lübeck und Mecklenburg Vorpommern begangen zu haben. Weitere Ermittlungen in diesem Zusammenhang dauern


Immer häufiger kommt es in den internationalen Gewässern zu Überfällen von Piraten, bei denen Menschen verletzt und getötet werden
Mittwoch, 05.01. 2000, 16:49:26 Uhr
Amilie Berger macht einen Segeltörn in der Karibik. Die Sonne scheint, das Meer ist glatt und ohne Tücken. Ein wunderschöner Tag für Hobbykapitäne. Plötzlich kommt ein Schnellboot näher. Die Urlauber glauben zunächst, dass es sich um die Küstenwache handelt.

Diese Annahme erweist sich allerdings als Irrtum: Es sind Piraten, die sich anschicken, die Yacht (Jacht) zu kapern. Sie legen am Heck an und springen maskiert und schwer bewaffnet an Bord. Das Schiff - immerhin mehr als 20 Millionen Schilling wert - wird von den Piraten in Schlepptau genommen; die Bergers werden in einem Schlauchboot ausgesetzt. Einer der Piraten schießt im Wegfahren noch auf das Boot. Zischend entweicht die Luft aus einer der Kammern. Erst Stunden später wird die erschöpfte Familie von einem vorbeikommenden Tanker an Bord genommen.

Unglaublich, aber wahr: Es gibt sie wieder, die Piraten. Sie kapern Frachtschiffe und Freizeit-Yachten, sie entführen Mannschaften und Kapitäne. Mehr als 200 Piratenüberfälle und fast 500 Gewalttaten wurden im "Piracy Reporting Center" in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur zuletzt gemeldet; 1993 sind dort bloß neun Attacken registriert worden. Allein in Asien sind im vorigen Jahr 51 Besatzungsmitglieder bei solchen Überfällen getötet worden - mehr als je zuvor in der neuzeitlichen Geschichte der Piraterie.

Die jährlichen Schäden durch Piratenüberfälle in den internationalen Gewässern belaufen sich mittlerweile auf mehr als eine Milliarde Schilling. Vor allem im pazifischen Raum Südost-Asiens und vor den Küsten Westafrikas, aber auch in den karibischen Gewässern und in Lateinamerika sind in den letzten Jahren vermehrt schnelle Piratenschiffe mit modernster Technik und ohne Kennzeichnungen unterwegs, deren rücksichtslose Mannschaften es auf Fracht und Wertgegenstände der Skipper und ihrer Besatzung abgesehen haben.

Manchmal begnügen sich diese Freibeuter mit Schmuck und Bargeld, zumeist hat man es aber auf die modernen Schiffe oder auf die Fracht abgesehen. Die ausgeraubten Schiffsreisenden werden nackt in ihren Rettungsbooten ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen, während sich die Piraten mit der Beute auf und davonmachen. Meistens arbeiten die Freibeuter mit korrupten Beamten beim Zoll oder mit kriminellen Reedern zusammen, die mit gefälschten Papieren die gekaperten Schiffe oder das Diebsgut zur legalen Ware erklären.

"Das Hauptaktionsgebiet der modernen Piraten liegt zwischen Bali und Borneo", berichtet die Schweizer Weltwoche. Immer öfter schlagen sie aber auch andernorts zu: Auf den Philippinen, vor der Küste Westafrikas oder in den Häfen von Brasilien. Selbst in Europa treiben die Freibeuter wieder ihr Unwesen. 1998 wurden insgesamt elf Fälle von Piraterie im Schwarzen Meer und im Mittelmeer gemeldet, fünf davon vor der Küste Albaniens.

Nicht nur Marine und Militär machen Jagd auf diese Piraten. Wer auf hoher See von Piraten bedroht wird, kann sich auch an die im schweizerischen Zug ansässige "Marine Risk Management Group" wenden. Diese Firma schickt umgehend eine schlagkräftige Truppe von bewaffneten Söldnern los, die innerhalb von 24 Stunden überall auf der Welt eintreffen und sofort ihr Anti-Piraterie-Programm entfalten


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