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Luxusjacht vor Somalia entführt

Erschienen am 05. April 2008

Nach der Entführung einer französischen Luxusjacht vor der somalischen Küste durch Piraten bemüht sich die französische Regierung um die Freilassung der 30 Besatzungsmitglieder. Verteidigungsminister Hervé Morin schloss ein militärisches Eingreifen Frankreichs nicht aus. Regierungschef François Fillon sagte am späten Freitagabend, das Verteidigungs- sowie das Außenministerium arbeiteten an dem Fall. Er hoffe, die Freilassung werde in den kommenden Stunden erreicht. Frankreich habe "relativ große militärische Möglichkeiten" in der Region, fügte Fillon hinzu. Die Jacht werde von einer Fregatte der französischen Marine verfolgt, das sich im Rahmen des internationalen Anti-Terror-Kampfes unter US-Kommando in der Gegend befindet.

Küste für Überfälle berüchtigt

Die Luxusjacht "Le Ponant" war am Freitag vor der somalischen Küste von etwa zehn Seeräubern gekapert worden. Offiziellen Angaben zufolge waren zu dem Zeitpunkt keine Passagiere an Bord des Schiffs. Die Jacht kam von den Seychellen und befand sich auf dem Weg über Somalia und den Jemen ins Mittelmeer. Bei dem Piratenangriff seien nach bisherigen Erkenntnissen keine Schüsse gefallen, sagte ein Militärsprecher. Die Küste vor Somalia und generell der gesamte Golf von Aden zwischen der arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika sind berüchtigt für Piratenüberfälle. Auch Patrouillenboote der US-Marine schrecken die meist schwer bewaffneten Täter nicht ab.

 

Kein Kontakt zu Entführern

Trotz ihres martialischen Auftretens und der Verfolgung durch ein Kriegsschiff hat die Regierung in Paris bislang keine Erfolge vorzuweisen. "Wir haben bislang weder mit den Piraten noch mit der Besatzung Kontakt gehabt", gestand Verteidigungsminister Hervé Morin im Radiosender France Inter am Samstag ein. Auch über mögliche Forderungen wurde zunächst nichts bekannt. Das Krisenzentrum stelle gemeinsam mit der Reederei CMA CGM den Kontakt zu den betroffenen Familien her, hieß es.

 

Luxuskreuzer für gehobene Ansprüche

Der 88 Meter lange Dreimaster "Le Ponant" bietet 64 Passagieren Platz. Laut "Kreuzfahrten-Pool" sollen Segeltörns mit dem Luxusschiff ein "exklusives Erlebnis" darstellen. Entsprechend sind auch die Preise: Einwöchige Mittelmeertouren beispielsweise sind ab 2500 Euro aufwärts zu haben. Der mit vier Decks ausgestattete Kreuzer steuert allerdings auch viel weiter entfernte Ziele wie die Seychellen an.

 

Flucht in somalische Gewässer

"Was normalerweise in solchen Fällen passiert, ist, dass sich die Piraten in somalische Gewässer begeben", sagte Morin. Dort würden dann spezielle Forderungen gestellt, oftmals Lösegeld. Erst vor wenigen Wochen hatten Piraten einen dänischen Frachter gegen eine hohe Lösegeldzahlung aus ihrer Gewalt entlassen. Somalische Behörden hatten damals kritisiert, die Zahlung von Lösegeld ermutige nur neue Fälle von Seeräuberei.

 

Piratenattacken nehmen weltweit zu

Die Zahl der Überfälle lag nach Angaben des International Maritime Bureau (IMB) im Jahr 2007 mit 263 Attacken weltweit um etwa zehn Prozent über der von 2006. Dabei habe die Gewalt gegen die Besatzungen spürbar zugenommen, hieß es vom IMB. 64 Seeleute seien verletzt, 292 als Geiseln genommen worden. Außer vor Somalia gibt es auch vor Nigeria sowie in südostasiatischen Gewässern häufig Piraten-Attacken. Betroffen sind meist Frachtschiffe. Das IMB empfahl den Reedern, ihre Schiffe mit Elektro- Zäunen zu umgeben, wie sie auch Häuser in besonders von Kriminalität betroffenen Regionen sichern. Bei Berührung würden diese Barrieren 9000-Volt-Impulse freisetzen.


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